Brassica oleracea var. gongylodes · Gemüse
Kohlrabi pflanzen
- Keimtemperatur
- 15–20 °C
- Keimdauer
- 7–12 Tage
- Pflanzabstand
- 30 × 25 cm
- Pflanz-/Saattiefe
- 1 cm
- Tage bis zur Ernte
- 55–80
- Lichtbedarf
- Sonne
- Frostempfindlich
- Nein
Aussaat- & Erntezeiten
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Gute & schlechte Nachbarn
Einführung
Kohlrabi pflanzen
Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes) ist der Einsteiger-Kohl: schnell, unkompliziert, platzsparend und roh wie gekocht ein Genuss. Anders als Weißkohl oder Rosenkohl belegt er das Beet nur acht bis elf Wochen – ideal als Vor-, Zwischen- oder Nachkultur.
Botanisch bemerkenswert: Die essbare 'Knolle' ist keine Wurzel, sondern eine verdickte Sprossachse – ein aufgeblähter Stängel, der oberirdisch wächst. Das erklärt auch den wichtigsten Anbaufehler: Wer Kohlrabi zu tief pflanzt, bekommt keine Knolle.
Kohlrabi lässt sich in zwei Sätzen anbauen – im Frühjahr und im Spätsommer – und deckt so das halbe Gartenjahr ab. Auch die jungen Blätter sind essbar und deutlich nährstoffreicher als die Knolle selbst.
Kurz zusammengefasst: Vorziehen ab Ende Februar (Frühjahrssatz) bzw. Anfang Juni (Herbstsatz), Auspflanzen ab April bzw. Juli, Ernte 8–11 Wochen später.
Pflege
Kohlrabi richtig pflegen
Kohlrabi wird meist vorgezogen und dann gepflanzt – Direktsaat ab April ist ebenfalls möglich.
Der kritische Punkt: nicht zu tief pflanzen. Der Wurzelhals muss auf Bodenniveau sitzen. Wird die Pflanze eingegraben, bildet sich statt einer Knolle nur ein Stängel. Pflanzabstand 25–30 cm in beide Richtungen.
Das zweite Muss ist gleichmäßiges Gießen. Kohlrabi ist extrem empfindlich gegen Wasserschwankungen: Trockenphasen machen die Knolle holzig und faserig; kommt danach viel Wasser auf einmal, platzt sie auf. Beides ist irreversibel. Regelmäßige, moderate Wassergaben und eine Mulchschicht lösen das Problem.
Kohlrabi ist ein Mittelzehrer und braucht einen humosen, nährstoffreichen Boden – Kompost vor der Pflanzung, gegebenenfalls eine Nachdüngung nach vier Wochen.
Wie alle Kohlgewächse gehört Kohlrabi in eine weite Fruchtfolge: mindestens vier Jahre Anbaupause auf derselben Fläche, sonst droht Kohlhernie. Dazu zählen auch Radieschen, Rucola und Senf.
Ernte
Kohlrabi ernten und lagern
Erntereif ist Kohlrabi 8–11 Wochen nach der Aussaat.
Die richtige Größe ist entscheidend: Normale Sorten erntet man bei 8–10 cm Durchmesser – etwa tennisballgroß. Wer länger wartet, bekommt eine holzige, faserige Knolle. Das ist der häufigste Fehler beim Kohlrabi und der Grund, warum viele ihn für zäh halten.
Ausnahme sind die Riesensorten wie 'Superschmelz' oder 'Gigant': Sie bleiben auch bei 15–20 cm Durchmesser zart und lassen sich sogar lagern.
Geerntet wird durch Abschneiden knapp unter der Knolle, mit einem scharfen Messer.
Die Blätter nicht wegwerfen – die jungen, inneren Blätter sind essbar und enthalten mehr Vitamin C, Kalzium und Eisen als die Knolle selbst. Sie schmecken kohlig-mild und lassen sich wie Spinat dünsten oder in Suppen geben.
Frischer Kohlrabi hält im Kühlschrank etwa eine Woche – Blätter vorher abtrennen, sonst entziehen sie der Knolle Wasser. Herbstsorten und Riesensorten lassen sich im kühlen, feuchten Keller mehrere Wochen bis Monate lagern.
Tipps
Tipps und Tricks für den Kohlrabianbau
- Nicht zu tief pflanzen: Die Knolle ist eine verdickte Sprossachse und wächst oberirdisch. Zu tief gesetzt bildet sie sich gar nicht.
- Gleichmäßig gießen: Holzigkeit und Platzen sind fast immer Wasserprobleme. Mulchen hilft enorm.
- Rechtzeitig ernten: Bei 8–10 cm Durchmesser. Wer länger wartet, erntet Holz – außer bei den Riesensorten.
- Zwei Sätze pro Jahr: Frühjahrssatz (Aussaat Februar/März) und Herbstsatz (Aussaat Juni/Juli). Der Herbstsatz ist oft der zartere.
- Blätter mitessen: Die inneren Blätter sind nährstoffreicher als die Knolle. Wie Spinat verwenden.
- Idealer Lückenfüller: Kohlrabi belegt das Beet nur 8–11 Wochen – perfekt zwischen langsameren Kulturen.
- Vierjährige Kohlpause: Kohlhernie ist die größte Gefahr. Radieschen, Rucola und Senf zählen als Kohlgewächse mit!
- Kulturschutznetz von Anfang an: Spart bei Kohlweißling und Kohlfliege alle weitere Mühe.
Schädlinge & Krankheiten
Schädlinge und Krankheiten an Kohlrabi
Als Kohlgewächs teilt Kohlrabi die typischen Kohl-Probleme – ein Kulturschutznetz ab der Pflanzung erledigt die meisten davon auf einen Schlag und ist die einzige Maßnahme, die sich wirklich lohnt.
- Kohlweißling: Die grünen Raupen fressen die Blätter kahl. Netz, oder Eigelege und Raupen regelmäßig absammeln.
- Kohlfliege: Die Larven fressen an den Wurzeln, die Pflanze welkt und kippt. Kulturschutznetz oder Kohlkragen um den Stängel.
- Erdflöhe: Unzählige kleine Löcher in den Blättern der Jungpflanzen, vor allem bei Trockenheit. Feucht halten, mulchen, Netz.
- Kohlblattläuse: Graue, mehlig bereifte Kolonien an Blattunterseiten. Abspritzen, Nützlinge fördern.
Kohlhernie ist die schwerste Krankheit: Ein bodenbürtiger Erreger verursacht knotige, verkrüppelte Wurzeln; die Pflanze welkt und bleibt kümmerlich. Der Erreger überdauert bis zu 20 Jahre im Boden. Es gibt keine Behandlung – nur Vorbeugung: konsequente Fruchtfolge (mindestens vier Jahre Kohlpause), gute Drainage, Kalkung (der Erreger mag sauren Boden). Befallene Pflanzen sofort entfernen und im Restmüll entsorgen.
Holzigkeit und Platzen sind keine Krankheiten, sondern Wasserprobleme.
Sorten
Kohlrabisorten im Überblick
Kohlrabi unterscheidet sich in Farbe, Größe und Anbauzeitpunkt:
- Weiße/hellgrüne Frühsorten (z. B. 'Lanro', 'Noriko F1', 'Delikatess Weißer'): Schnell, zart, für den Frühjahrssatz und den Anbau unter Folie. Nicht lagerfähig.
- Blaue/violette Sorten (z. B. 'Blaril', 'Azur Star', 'Delikatess Blauer'): Etwas robuster, frostverträglicher und tendenziell weniger platzanfällig – gut für den Herbstsatz. Innen sind sie weiß.
- Riesensorten (z. B. 'Superschmelz', 'Gigant'): Werden 15–20 cm groß (bis mehrere Kilo) und bleiben trotzdem zart – der große Vorteil gegenüber normalen Sorten. Lange Kulturdauer, aber gut lagerfähig.
- Herbst- und Wintersorten: Späte Aussaat, Ernte bis in den November, teils frosttolerant.
Für den Einstieg empfiehlt sich eine schnelle weiße Frühsorte im Frühjahr und eine blaue Sorte für den Herbstsatz. Wer nur einmal ernten und dann lagern will, ist mit 'Superschmelz' am besten bedient – die Sorte widerlegt eindrucksvoll die Regel, dass großer Kohlrabi holzig sein muss.