Glossar
Stängel
Der Stängel ist die krautige, nicht verholzte Sprossachse einer krautigen Pflanze. Als oberirdischer Achsenteil trägt er Blätter, Knospen und Blüten, gibt der Pflanze Halt und transportiert Wasser und Nährstoffe. Im Unterschied zum verholzten Stamm der Gehölze und zum hohlen Halm der Gräser stirbt der weiche Stängel am Ende der Vegetationsperiode meist ab.
Einführung
Stängel
Der Stängel gehört zu den grundlegendsten Begriffen der Pflanzenkunde und begegnet jedem Gärtner täglich. Er ist der aufrechte, grüne 'Halt' einer krautigen Pflanze – doch was genau unterscheidet einen Stängel von einem Stamm oder einem Halm, und worauf sollte man im Garten achten? Dieser Beitrag erklärt es.
Was ist das?
Was ist Stängel?
Der Stängel ist die krautige, also nicht verholzte Sprossachse einer krautigen Pflanze. Er ist der oberirdische Achsenteil, an dem Blätter, Knospen, Seitentriebe und Blüten sitzen, und bildet zusammen mit den Blättern den Spross.
Der Stängel ist damit eine besondere Erscheinungsform der Sprossachse – nämlich die weiche, grüne Variante, wie sie für einjährige und mehrjährige krautige Pflanzen typisch ist. Verholzt die Sprossachse dagegen dauerhaft, spricht man vom Stamm (bei Bäumen und Sträuchern); ist sie hohl und bei Gräsern ausgebildet, nennt man sie Halm.
Erklärung
Merkmale, Aufbau und Funktion
Wie jede Sprossachse ist auch der Stängel in Knoten und Internodien gegliedert: An den Knoten entspringen Blätter und Knospen, dazwischen liegen die blattlosen Internodien. Im Inneren verlaufen die Leitbündel für den Wasser- und Nährstofftransport.
Stängel treten in vielerlei Gestalt auf: aufrecht (bei den meisten Gemüsepflanzen), kriechend, kletternd oder windend. Manche sind rund, andere kantig oder gefurcht, viele sind behaart oder mit einer Wachsschicht überzogen. Ein besonderes Merkmal krautiger Stängel ist, dass sie am Ende der Vegetationsperiode absterben – anders als der verholzte Stamm, der über Jahre bestehen bleibt und in die Dicke wächst.
Verdickte, umgewandelte Stängel dienen bei manchen Pflanzen der Speicherung – der Kohlrabi ist das bekannteste Beispiel aus dem Gemüsegarten.
Die Wuchsform des Stängels bestimmt oft die Anbauweise: Kletternde und windende Stängel – etwa bei Stangenbohnen, Gurken oder Erbsen – brauchen eine Rankhilfe, an der sie Halt finden. Aufrechte, aber hohe Stängel wie bei der Sonnenblume knicken ohne Stütze unter dem Gewicht der Blüte um. Kriechende Stängel wiederum, wie die Ausläufer der Erdbeere, bewurzeln sich dort, wo sie den Boden berühren, und bilden neue Pflanzen.
Der Stängel erfüllt dieselben Grundaufgaben wie jede Sprossachse: Er gibt der Pflanze Halt, hält Blätter und Blüten ins Licht und zu den Bestäubern, und er transportiert über seine Leitbündel Wasser von unten nach oben und Nährstoffe in alle Pflanzenteile.
Bei krautigen Nutzpflanzen ist der Stängel oft selbst ein Erntegut: Der Stängel des Rhabarbers (botanisch der Blattstiel), die Sprossachse des Kohlrabis oder die zarten Triebe vieler Kräuter zeigen, dass der Stängel weit mehr als bloßes Beiwerk ist.
Praxis
Bedeutung für die Gartenpraxis
Für die Gartenpraxis ist der Stängel an vielen Stellen relevant. Ein kräftiger, gedrungener Stängel ist ein Zeichen gesunder Anzucht; lange, dünne, blasse Stängel dagegen verraten Lichtmangel – die Pflanzen sind vergeilt. Beim Pflanzen mancher Kulturen, etwa Tomaten, setzt man den Stängel bewusst tiefer, weil er an den unteren Abschnitten zusätzliche Wurzeln bildet.
Auch bei Krankheiten ist der Stängel ein Frühwarnsystem: Knickt eine Jungpflanze an der Stängelbasis um (Umfallkrankheit) oder faulen die unteren Stängelabschnitte, deutet das auf zu viel Nässe hin. Und wer weiß, dass die Knospen an den Stängelknoten sitzen, schneidet und geizt gezielt an der richtigen Stelle.
Auch die Standfestigkeit hat mit dem Stängel zu tun: Ein zu dicht gesäter Bestand zwingt die Pflanzen, dünne, lange Stängel zum Licht zu strecken – sie werden instabil. Ausreichender Pflanzabstand und viel Licht ergeben dagegen kräftige, gedrungene Stängel. Bei manchen Kulturen ist der Stängel selbst ein Reifezeichen: Bei Zwiebeln etwa knickt der Stängel (das Laub) um, wenn die Zwiebel erntereif ist.
Beispiel
Beispiele aus dem Garten
Bei der Tomate zeigt sich eine besondere Eigenschaft des Stängels: Er kann an den vergrabenen Abschnitten zusätzliche Wurzeln bilden. Deshalb setzt man Tomatenjungpflanzen bewusst tief bis zum ersten Blattpaar ein – die Pflanze wird dadurch kräftiger.
Bei Zwiebeln dient der Stängel als Reifezeichen: Knickt das Laub um und trocknet ab, ist die Zwiebel erntereif.
Ein Warnsignal liefert der Stängel bei der Anzucht: Lange, dünne, blasse Stängel bedeuten Lichtmangel – die Jungpflanzen sind vergeilt. Kräftige, gedrungene Stängel dagegen zeigen eine gesunde Vorkultur an.
Verwandte Begriffe
Verwandte Begriffe
Der Stängel ist eine Form der Sprossachse, dem Oberbegriff für den blatttragenden Achsenteil der Pflanze. Verwandte Ausprägungen sind der verholzte Stamm und der hohle Halm der Gräser. Am unteren Ende geht der Stängel über den Wurzelhals in die Wurzel über. Als oberirdisches Organ steht er dem unterirdischen Wurzelsystem gegenüber. Diese Begriffe zusammen beschreiben den Aufbau einer krautigen Pflanze.