Glossar

Oberirdisch

Oberirdisch bezeichnet alle Pflanzenteile, die über der Bodenoberfläche wachsen – also Sprossachse, Blätter, Knospen, Blüten und Früchte. Das Gegenstück ist der unterirdische Bereich mit Wurzeln, Zwiebeln und Knollen. Die oberirdischen Teile betreiben Photosynthese, sind aber zugleich Wind, Sonne und vor allem Frost direkt ausgesetzt.

Einführung

Oberirdisch

Der Begriff oberirdisch taucht in Anbauanleitungen immer wieder auf – etwa wenn es heißt, eine Knolle wachse 'oberirdisch' oder ein Pflanzenteil sei frostempfindlich, weil er 'oberirdisch' liege. Was genau damit gemeint ist und warum die Unterscheidung zwischen oberirdisch und unterirdisch für den Gärtner so wichtig ist, klärt dieser Beitrag.

Was ist das?

Was bedeutet oberirdisch?

Oberirdisch bezeichnet alles, was an einer Pflanze über der Bodenoberfläche – also über dem Bodenniveau – wächst. Dazu gehören die Sprossachse (Stängel, Stamm oder Halm), die Blätter, die Knospen, die Blüten und die Früchte. Der oberirdische Teil einer Pflanze wird zusammen mit den Blättern auch als Spross bezeichnet.

Das Gegenstück ist unterirdisch: alle Pflanzenteile, die unter der Erdoberfläche liegen, allen voran die Wurzeln, aber auch Speicherorgane wie Zwiebeln, Knollen und Rhizome. Die Bodenoberfläche ist dabei die Trennlinie zwischen beiden Bereichen.

Erklärung

Merkmale, Aufbau und Funktion

Der oberirdische Bereich ist der Ort, an dem die Photosynthese stattfindet: In den Blättern wandelt die Pflanze mithilfe des Sonnenlichts Wasser und Kohlendioxid in Zucker um. Deshalb ist der oberirdische Teil auf Licht angewiesen und wächst dem Licht entgegen.

Gleichzeitig ist der oberirdische Bereich der Witterung unmittelbar ausgesetzt – Sonne, Wind, Regen und vor allem Frost wirken zuerst und am stärksten auf ihn ein. Das macht einen wichtigen Unterschied zum geschützten, unterirdischen Bereich, wo die Temperaturen deutlich ausgeglichener sind.

Ein kniffliger Punkt: Manche Speicherorgane wachsen oberirdisch, obwohl man es nicht vermutet – die Kohlrabiknolle etwa sitzt sichtbar über dem Boden, während die Kartoffelknolle unterirdisch verborgen bleibt.

Die klare Trennung hilft auch beim Verständnis von Speicher- und Überdauerungsorganen: Eine Zwiebelblume wie die Tulpe überdauert den Winter mit ihrer unterirdischen Zwiebel, während ihr oberirdisches Laub jedes Jahr neu austreibt und im Sommer wieder einzieht. Ähnlich verhält es sich mit Stauden, deren oberirdische Teile im Herbst absterben, während der unterirdische Wurzelstock überlebt und im Frühjahr neu austreibt.

Die Unterscheidung ist keine bloße Wortklauberei, sondern hat handfeste Konsequenzen. Weil oberirdische Pflanzenteile dem Frost direkt ausgesetzt sind, entscheidet ihre Frostempfindlichkeit oft über den Aussaat- und Pflanztermin. Bei frostempfindlichen Kulturen wie Tomaten, Bohnen oder Kartoffeln erfriert bei Spätfrost zuerst das oberirdische Kraut, während unterirdische Teile geschützter sind.

Das erklärt auch eine gängige Gartenmaßnahme: Bei drohendem Spätfrost häufelt man junge Kartoffeltriebe mit Erde an, um die empfindlichen oberirdischen Teile zu schützen.

Praxis

Bedeutung für die Gartenpraxis

Im Garten hilft die Unterscheidung an vielen Stellen. Sie erklärt, warum ein Kürbis nach dem ersten Frost zusammenfällt (das oberirdische Laub erfriert), warum eine Zwiebel im Boden den Winter übersteht, aber ihr Laub nicht, und warum man beim Pflanzen von Kohlrabi darauf achtet, dass die oberirdisch wachsende Knolle nicht mit Erde bedeckt wird.

Auch bei der Ernte spielt die Lage eine Rolle: Oberirdisches Obst und Gemüse erntet man durch Pflücken oder Schneiden, unterirdisches durch Ausgraben oder Roden. Und wer weiß, dass Frost zuerst die oberirdischen Teile trifft, plant Frostschutz gezielt dort ein.

Bei mehrjährigen Kräutern zeigt sich die Bedeutung besonders deutlich: Rosmarin muss man in rauen Lagen schützen oder im Kübel überwintern, weil seine oberirdischen, immergrünen Teile den Frost nicht sicher überstehen. Schnittlauch dagegen zieht sein oberirdisches Laub im Winter komplett ein und übersteht die Kälte problemlos im Boden – im Frühjahr treibt er von selbst wieder aus.

Beispiel

Beispiele aus dem Garten

Bei der Kartoffel wird die Unterscheidung praktisch relevant: Das oberirdische Kraut ist frostempfindlich, die unterirdischen Knollen sind geschützt. Deshalb häufelt man bei drohendem Spätfrost die jungen Triebe mit Erde an.

Beim Kohlrabi ist es umgekehrt wichtig: Seine Knolle wächst oberirdisch. Pflanzt man ihn zu tief, bildet sich statt der Knolle nur ein Stängel.

Bei Tulpen und Narzissen überdauert die unterirdische Zwiebel den Winter problemlos, während das oberirdische Laub jedes Jahr neu austreibt und im Sommer wieder einzieht. Und Schnittlauch zieht sein Laub im Winter komplett ein – er übersteht die Kälte im Boden, während Rosmarin mit seinen immergrünen oberirdischen Teilen in rauen Lagen Schutz braucht.

Verwandte Begriffe

Verwandte Begriffe

Das Gegenteil von oberirdisch ist unterirdisch – der Bereich der Wurzeln, Zwiebeln und Knollen. Die Trennlinie zwischen beiden ist das Bodenniveau. Der wichtigste oberirdische Pflanzenteil ist die Sprossachse mit ihren Ausprägungen Stängel, Stamm und Halm. Der Wurzelhals markiert genau den Übergang vom oberirdischen zum unterirdischen Bereich und liegt idealerweise auf Bodenniveau.

Verwandte Begriffe