Solanum tuberosum · Gemüse
Kartoffel pflanzen
- Keimtemperatur
- 8–15 °C
- Keimdauer
- 14–28 Tage
- Pflanzabstand
- 70 × 35 cm
- Pflanz-/Saattiefe
- 10 cm
- Tage bis zur Ernte
- 90–140
- Lichtbedarf
- Sonne
- Frostempfindlich
- Ja
Aussaat- & Erntezeiten
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Einführung
Kartoffeln pflanzen
Kartoffeln (Solanum tuberosum) sind das dankbarste Gemüse für alle, die Fläche haben – und die einzige Kultur, bei der man mit einem einzigen Handgriff im Frühjahr im Sommer einen ganzen Vorratskeller füllen kann. Aus einer Pflanzknolle werden je nach Sorte und Boden 0,5 bis 1,5 kg Ertrag.
Anders als die meisten Gemüse werden Kartoffeln nicht gesät, sondern gepflanzt: Vorgekeimte Saatkartoffeln kommen ab Anfang April in die Erde. Wichtig ist zertifiziertes Pflanzgut aus dem Handel – Speisekartoffeln aus dem Supermarkt sind oft keimhemmend behandelt und können Krankheiten in den Garten tragen.
Kartoffeln sind Starkzehrer, lockern aber dank des Anhäufelns den Boden hervorragend auf und gelten deshalb als klassische Vorfrucht.
Kurz zusammengefasst: Vorkeimen ab März, Pflanzung von Anfang April bis Anfang Mai, Ernte von Frühkartoffeln ab Ende Juni, von Lagersorten ab September.
Pflege
Kartoffeln richtig pflegen
Die Pflanzung: Saatkartoffeln 10 cm tief legen, Reihenabstand 70 cm, in der Reihe 35 cm. Vorher vorkeimen – vier bis sechs Wochen hell und kühl (etwa 10–15 °C) gelagert, bilden die Knollen kurze, kräftige Keime. Das bringt bis zu zwei Wochen Ernte-Vorsprung.
Der wichtigste Pflegeschritt ist das Anhäufeln: Sobald das Kraut etwa 20 cm hoch ist, wird Erde von beiden Seiten zu einem Damm angehäuft, später noch ein bis zwei Mal. Das hat drei Gründe: Es fördert die Knollenbildung an den Stängeln, unterdrückt Unkraut, und – am wichtigsten – es schützt die Knollen vor Licht. Grün gewordene Kartoffeln enthalten giftiges Solanin und dürfen nicht gegessen werden.
Gegossen wird vor allem während der Blüte – das ist die Phase der Knollenbildung, in der Wassermangel den Ertrag direkt kostet. Gedüngt wird vor der Pflanzung mit reifem Kompost; frischer Mist fördert Schorf.
Das Kraut ist frostempfindlich: Bei angekündigtem Spätfrost die jungen Triebe anhäufeln oder mit Vlies abdecken.
Ernte
Kartoffeln ernten und lagern
Frühkartoffeln sind erntereif, sobald die Pflanze blüht – meist ab Ende Juni. Ihre Schale ist noch dünn und schält sich beim Reiben ab; sie sind nicht lagerfähig und werden frisch verbraucht. Zum Testen einfach eine Pflanze vorsichtig aufgraben.
Lager- und Spätkartoffeln werden geerntet, wenn das Kraut vollständig vergilbt und abgestorben ist – meist ab September. Warte danach noch zwei bis drei Wochen, bevor du erntest: In dieser Zeit festigt sich die Schale, und nur schalenfeste Kartoffeln lassen sich lagern. Die Probe: Die Schale lässt sich mit dem Daumen nicht mehr abreiben.
Ernte an einem trockenen Tag mit der Grabegabel, ausreichend Abstand zur Pflanze halten, damit du keine Knollen ansticht. Verletzte Knollen zuerst verbrauchen – sie faulen im Lager als Erste.
Anschließend die Kartoffeln einige Stunden abtrocknen lassen, aber nicht in der Sonne (Grünfärbung!). Gelagert wird dunkel, luftig und kühl bei 4–8 °C – Keller, Kiste, Jutesack. Nie im Kühlschrank: Unter 4 °C wandelt sich Stärke in Zucker um. Nicht neben Äpfeln lagern, deren Ethylen treibt die Keimung an.
Tipps
Tipps und Tricks für den Kartoffelanbau
- Zertifiziertes Pflanzgut kaufen: Supermarktkartoffeln sind oft keimhemmend behandelt und können Krankheiten wie Schorf oder Nematoden einschleppen.
- Vorkeimen bringt zwei Wochen: Ab März hell und kühl aufstellen (Eierkarton eignet sich perfekt), bis kurze, gedrungene Keime da sind. Lange, weiße Keime aus dem dunklen Keller sind dagegen wertlos.
- Anhäufeln nicht vergessen: Der eine Handgriff, der über Ertrag und Genießbarkeit entscheidet – Licht auf den Knollen erzeugt giftiges Solanin.
- Grüne Stellen wegschneiden reicht nicht: Stark ergrünte Kartoffeln komplett entsorgen.
- Anbau im Sack oder Kübel: Auf dem Balkon funktioniert erstaunlich gut – Pflanzsack mit 40+ Litern, Erde schichtweise nachfüllen statt anhäufeln.
- Vierjährige Anbaupause: Kartoffeln (und Tomaten!) frühestens nach vier Jahren wieder auf dieselbe Fläche.
- Nie neben Tomaten: Beide sind Nachtschattengewächse und übertragen sich gegenseitig die Kraut- und Braunfäule.
Schädlinge & Krankheiten
Schädlinge und Krankheiten an Kartoffeln
Die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) ist die klassische Kartoffelkrankheit – dieselbe, die die irische Hungersnot auslöste. Braune Flecken am Kraut breiten sich bei feucht-warmer Witterung rasant aus und wandern in die Knollen. Gegenmaßnahme: befallenes Kraut frühzeitig komplett abschneiden und entsorgen (nicht kompostieren!). Die Knollen im Boden bleiben dann meist gesund; nach zwei bis drei Wochen ernten. Vorbeugung: weite Pflanzabstände, resistente Sorten, Abstand zu Tomaten.
Weitere häufige Probleme:
- Kartoffelkäfer: Auffällig gelb-schwarz gestreift, die rötlichen Larven fressen das Kraut kahl. Im Hausgarten am besten regelmäßig absammeln – inklusive der orangefarbenen Eigelege an den Blattunterseiten.
- Drahtwürmer: Larven des Schnellkäfers, bohren Gänge in die Knollen. Häufig auf frisch umgebrochenem Grasland.
- Schorf: Raue, korkige Flecken auf der Schale. Kosmetisch, nicht schädlich. Wird durch Kalkung und frischen Mist gefördert – beides vermeiden.
- Wühlmäuse: Können ganze Reihen leerräumen.
- Solanin: Kein Schädling, aber der wichtigste Punkt – grüne oder keimende Knollen nicht verzehren.
Sorten
Kartoffelsorten im Überblick
Kartoffelsorten unterscheidet man nach Kocheigenschaft und Reifezeit:
Nach Kochtyp:
- Festkochend (z. B. 'Linda', 'Nicola', 'Annabelle'): Bleiben beim Kochen fest – für Salat, Bratkartoffeln, Pellkartoffeln.
- Vorwiegend festkochend (z. B. 'Laura', 'Belana'): Die Allrounder für Salzkartoffeln und Gratins.
- Mehligkochend (z. B. 'Adretta', 'Bintje'): Zerfallen leicht – für Püree, Knödel, Suppen.
Nach Reifezeit:
- Frühkartoffeln (z. B. 'Annabelle', 'Sieglinde'): Ernte ab Ende Juni, nicht lagerfähig, unschlagbar im Geschmack.
- Mittelfrühe Sorten (z. B. 'Laura', 'Nicola'): Ernte ab August, begrenzt lagerfähig.
- Späte Lagersorten (z. B. 'Adretta', 'Blauer Schwede'): Ernte ab September, halten bis ins Frühjahr.
Wer wenig Platz hat, sollte Frühkartoffeln pflanzen: Sie belegen das Beet nur bis Juli, schmecken frisch geerntet am besten und entgehen der Braunfäule, die typischerweise erst später auftritt. Farbige Sorten wie 'Blauer Schwede' oder 'Bamberger Hörnchen' sind kulinarisch spannend und im Handel teuer – ein guter Grund, sie selbst anzubauen.